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3 Fragen zum Brexit: Othmar Karas

04.07.2017

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Dieses Mal haben wir unsere drei Fragen zum Brexit an Othmar Karas (Delegationsleiter der ÖVP) gerichtet. Der leidenschaftliche Verfechter einer starken und durchsetzungsfähigen Europäischen Union kann dem Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU auch Chancen abgewinnen.



Othmar Karas (ÖVP), Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten):

 

Welche/r britische Abgeordnete wird Ihnen am meisten fehlen?

 Karas: Selbstverständlich bedauere ich nicht nur das Ausscheiden des UK aus der EU, sondern auch den Abschied vieler langjähriger britischer Abgeordnetenkollegen. Viele der britischen EU-Abgeordneten waren viel pro-europäischer als ihre Parteizentralen in London. Eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe ich mit der ehemaligen Liberalen-Abgeordneten Sharon Bowles, aber auch mit den Tory-Abgeordneten Vicky Ford und Kay Swinburne, die seit Jahren meine Co-Vorsitzende in der SME-Intergroup ist.*)

Sicher nicht vermissen werde ich die Lügengeschichten des UKIP-Chef Nigel Farage.

 

Welche Bedingungen möchten Sie im Austritts-Abkommen sehen bzw. was wären Deal Breaker?

Karas: Ich werde keinem Deal zustimmen, bei dem Großbritannien nach dem Austritt in irgendeinem Bereich besser gestellt würde als ein EU-Mitgliedstaat. Das wäre für mich ein Deal Breaker. Zentral sind für mich auch die Rechte der Menschen. Die Rechte der EU-Bürger, die jetzt schon im UK leben, und der britischen Bürger, die bereits in der EU leben, müssen gewahrt bleiben. Die Verhandlungspositionen des EP liegen unverrückbar am Tisch. Europäisches Recht und europäische Werte sind nicht verhandelbar.

 

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Brexit auf Österreich auswirken?

 Karas: Unter dem Strich wird der Brexit vor allem die Handelsbeziehungen österr. Firmen mit dem Vereinigten Königreich schwieriger machen. Die größten Verflechtungen gibt es im universitären und Forschungsbereich. Eine endgültige Bewertung ist erst nach der Unterzeichnung des "Scheidungsvertrages" und der Neuordnung der Beziehung möglich. Insgesamt bietet der Brexit auch die Chance auf eine Neuordnung der Finanzpolitik in der EU und ein Vorantreiben von Projekten, die mit den Briten nicht möglich waren, wie z.B. eine stärkere EU-Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

 

 

 

*) Anmerkung der Redaktion: Die Patentanwältin Sharon Margaret Bowles, Baroness Bowles of Berkhamsted war von 2004 bis 2014 für die britischen Liberal Democrats  Abgeordenete im Europäischen Parlament. Victoria Grace "Vicky" Ford - seit 2009 für die britische Conservative Party im Europäischen Parlament - war bis 8. 6. 2017 Mitglied des Vorstands der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer, deren Ausrichtung als EU-kritisch und rechtspopulistisch eingeordnet wird. Derselben Fraktion gehört auch Kay Swinburne (ebenfalls Conservative Party) an. Die österreichische Delegation unter Othmar Karas ist Mitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten).

 

 

Text: Mag. Dr. Michaela Amort, MES

Photo: © European Union 2012 EP/Pietro Naj-Oleari 

 

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Schwerpunkt EU, bisher erschienen:

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