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Ein Abgeordneter stellt das allgemeine Wahlrecht zur Diskussion

13.10.2016

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Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik stellt ein Abgeordneter zum Nationalrat die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ("Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.") und den Artikel 7 der österreichischen Bundesverfassung ("Alle Staatsbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen.") in Frage. Ein bemerkenswerter Tabubruch.



Dr. Marcus Franz, der eigentlich für das Team Stronach in den Nationalrat einzog, dann in den ÖVP-Klub wechselte und nun als klubunabhängiger Abgeordneter im Hohen Haus sitzt, macht sich auf seinem Blog öffentlich darüber Gedanken, wem eigentlich das aktive Wahlrecht zustehen sollte:

 

"Soll z.B. jemand, der die Mindestsicherung bezieht, weiterhin das Wahlrecht haben? Wenn ja, warum? Arbeitsfähige Mindestbesicherte tragen finanziell überhaupt nichts zum Staatswesen bei, sie werden ausschließlich von anderen Bürgern erhalten und dürfen dann bei einer Wahl über diese ihre Erhalter bestimmen. Irgendwie holperts da ein wenig mit der grundsätzlichen Fairness. Man kann daher darüber nachdenken, ob das "Sakrament Wahlrecht" für die Dauer der Mindestsicherung ausgesetzt wird und man es bei Arbeitsantritt automatisch wiedererlangt. Wäre das nicht gerechter? Und durchaus ein Anreiz, möglichst rasch aus der Mindestsicherung wieder heraus zu kommen?"

 

Die Transparenzplattform "Meine Abgeordneten" sieht es eigentlich nicht als ihre Aufgabe an, tagespolitische Diskussionen zu kommentieren und wir tun das daher normalerweise auch nicht. Aber ein Abgeordneter, der die Grundfesten der Demokratie in Frage stellt? Der sich nichts dabei denkt, ein Zensuswahlrecht wieder einführen zu wollen, das wir zumindest in Österreich vor fast 100 Jahren überwunden haben?

 

Zum Glück handelt es sich dabei nur um eine Einzelmeinung eines Abgeordneten, der seine Verhaltens- und Meinungsoriginalität bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat, zum Beispiel in seinem berüchtigten Outing als Pograpscher.

 

Aber auf der anderen Seite sollten wir alle solche Wortspenden zum Anlass nehmen uns daran zu erinnern, dass die Demokratie nicht selbstverständlich ist und von uns allen immer wieder auf's neue verteidigt und errungen werden muss. Nicht nur in den Feiertagsreden zum 26. Oktober.

 

Bild: © Parlamentsdirektion/PHOTO SIMONIS

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